
Ruf Informiert 2006-3
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Verwaltungstätigkeit besteht zu einem grossen Teil aus der Verarbeitung von Informationen in übergreifenden Geschäftsprozessen. Mit modernen Informations- und Kommunikationstechnologien kann der Zugriff auf gemeinsam genutzte Ressourcen medienbruchfrei erfolgen. Web Services als Lösungskomponenten berücksichtigen dabei föderale Strukturen. |
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Eine ausgeprägte Serviceorientierung kombiniert mit der nötigen Integration neuer sowie traditioneller Kommunikationsmittel fordert die öffentliche Verwaltung nicht nur in technischer, sondern insbesondere auch in organisatorischer und kultureller Hinsicht. Ein abgestufter Einbezug von Partnerleistungen kann gerade beim Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) in dieser Situation die Aufrechterhaltung des politisch breit abgestützten Föderalismus sein.
Neue ICT-Standards in der Vernetzung gehen über die rein technische Ebene hinaus. Diese Standards zielen auf die Verknüpfung und gemeinsame Nutzung elektronischer Dienstleistungen ab. Solche per Internet-Technologie angebotene und von unterschiedlichen Anwendungen wieder verwendbare Leistungen werden als Web Services bezeichnet.
Die Wiederverwendung von Komponenten ist aus der Software-Entwicklung nicht wegzudenken. Das Konzept der Web Services unterscheidet sich dabei von früheren Ansätzen insbesondere durch offene und breit akzeptierte Standards. Die Vorraussetzungen für die erfolgreiche Wiederverwendung sind normierte Beschreibungen dieser Services, ein Verzeichnis um diese zu finden sowie Standards, welche den Zugriff regeln.
Föderalistische Wertschöpfungsketten mit Web Services verbinden
Web Services erlauben der Verwaltung, ihre Arbeitsabläufe innovativer, effizienter und effektiver zu gestalten. Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei in der Integration der Partner-Systeme in die eigene Wertschöpfungskette. Die klassischen, hierarchisch ausgerichteten Organisationsmodelle stossen dabei aber zunehmend an Grenzen. Die Netzwerkorganisation als Organisationskonzept kann zur Komplexitätsbewältigung beitragen.
Eine Netzwerkorganisation setzt die Integration heterogener Systeme über organisatorische Grenzen hinweg zu einem Gesamtsystem voraus. Führt man sich die dem föderalistischen System der Schweiz entsprungene Vielfalt isolierter Anwendungen vor Augen, erkennt man die Notwendigkeit zu deren Integration unabhängig von den verwendeten Technologien. Die Netzwerkorganisation wird auf drei Ebenen gestaltet: auf der strategischen Ebene, auf der Ebene des Prozessnetzwerks und auf der Ebene der Informationssysteme.
Die strategische Ebene beinhaltet die Vision der Netzwerkorganisation. Die Netzwerkorganisation besteht einerseits aus formellen Elementen, z.B. aus Rahmenverträgen zwischen Behörden und Partnern. Andererseits aus informellen Elementen wie gegenseitigem Vertrauen und gemeinsam getragenen Normen und Werten.
Die Prozessebene fokussiert auf die Gestaltung des Prozessnetzwerks. Dabei steht die Koordination zwischen den Prozessen der Partner im Mittelpunkt. So sind z.B. beim Prozess «Umzug von Gemeinde A nach Gemeinde B» die beiden Teilprozesse «Wegzug aus Gemeinde A» und «Zuzug in Gemeinde B» aufeinander abzustimmen und mit anschliessenden Prozessen zu koordinieren.
Auf der Ebene der Informationssysteme sind die nötigen Technologien für die flexible Verknüpfung der verteilten Prozesse zu Prozessnetzwerken bereitzustellen. Dabei wird das Potenzial von Web Services sichtbar: Sie ermöglichen diese Verknüpfung von Leistungen und Funktionen der Netzwerkpartner zu übergreifenden Anwendungen. Web Services fördern so effizientere und effektivere Wertschöpfungsketten unter Berücksichtung föderaler Strukturen einer Netzwerkorganisation. Offene Standards ermöglichen die systemübergreifende Zusammenarbeit.
Prozessdrehscheibe als Rückgrat
Die Prozessdrehscheibe ist das Rückgrat behördenübergreifender Geschäftsprozesse. Sie unterstützt das Auffinden, Abwickeln, Verknüpfen und Synchronisieren von Geschäftsprozessen. Die zwischen den Prozessen zu übermittelnden Daten können bei Bedarf von der Prozessdrehscheibe automatisch konvertiert und zur Sicherstellung des Datenschutzes gefiltert werden.
Die Realisierung von Prozessdrehscheiben zeichnet sich nebst der technischen insbesondere durch die organisatorische Komplexität aus. Oftmals wird – wie zum Beispiel im Kanton Bern im Projekt GERES zum Austausch von Personendaten – mit dem Datenaustauschen begonnen. Die hierzu nötigen Datenformate und Metadaten werden möglichst auf internationaler Ebene standardisiert. In der Schweiz ist die Vereinigung eCH bestrebt, mit dem «Event-Bus Schweiz» diese Standardisierung voranzutreiben.
Wir werden diese Entwicklungen aktiv unterstützen und unseren Kunden die Integration in diese innovativen Netzwerke mit unseren Lösungen ermöglichen. Unsere Kunden werden damit über innovative, effiziente und effektive Geschäftsprozesse in ihren Wertschöpfungsketten verfügen.
Dieser Artikel ist erschien in der Zeitschrift Ruf Informiert, Nr. 3/2006



